Schlagworte: Denken, Verstand, Einsamkeit
„Nur wer viel allein ist, lernt gut denken.“
Waldemar Bonsels (Werk: Menschenwege)
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oniro 01.01.2007, 20:32 Uhr
"Nur"? Weiß ich nicht. Unter Menschen sein und dein wieder alleine.. Dieses Wechselspiel ist dem Denken - zumindest mit Bezug zum Menschen - förderlich.
H. Smidt 02.01.2007, 11:08 Uhr
@ oniro
Ich gebe dir recht. -
Aber in Bezug auf andere Menschen gehört noch etwas anderes dazu.
Aufmerksames Zuhören.
Simon 02.01.2007, 17:08 Uhr
hm halt ich nicht viel von... wenn man nur alleine ist hat man mehr Zeit zum Denken okay... aber alles andere?spekulation.
Muttzier 03.06.2008, 19:54 Uhr
Warum schreibt er nicht gleich: Wer ohne Weib ist... - Nun, als zweites von fünf Kindern kann man Bonsels irgendwie verstehen.
Finna 04.06.2008, 15:14 Uhr
Außerdem ist bewiesen, dass sich das Gehirn durch viele soziale Kontakte besser entwickelt. Es gibt dann ja auch einen größeren Informationsaustausch. Wenn man alleine ist, hat man vielleicht Ruhe zu denken, aber es gibt sicherlich mehr, über das man nachdenken kann, wenn man auch viel mit anderen zusammen ist. Wenn man alleine ist, widerspricht einem keiner, da ist der Erkenntnisfortschritt nicht immer besonders groß...
Man sieht vor allem bei alten Leuten die nur alleine sind, dass sie gegenüber denen, die in ein großes soziales Umfeld eingebunden sind, Nachteile haben und sich ihre Gehirnleistung schneller degeneriert.
Muttzier 04.06.2008, 15:39 Uhr
@ Finna: Das hast du sehr schon erklärt und formuliert!
Anarchisterix 15.06.2008, 18:22 Uhr
>> Entscheidend ist hier aber das Wörtchen "gut". Ansonsten hat Finna es tatsächlich "sehr schön erklärt und formuliert".
Knut Hacker 19.06.2009, 18:17 Uhr
Zum Ausgangszitat:
Wer das gute Denken im Alleinsein(zu unterscheiden von der Einsamkeit) erst lernt, ist unfreiwillig allein. Wer gerne allein ist, ist dies, weil er gut denken kann und daher will. Alle großen Dichter und Denker, auch die meisten Künstler, in der Geschichte waren gerne allein. Nur wer mit sich nichts anfangen kann, flieht in die Gesellschaft und sucht nach Anerkennung.Schopenhauer hat darüber viel geschrieben (Zitat: "Demgemäß wird man, im Ganzen, finden, dass jeder in dem Maße gesellig ist, wie er geistig arm und überhaupt gemein ist").
Heute ist es leider nahezu ausgeschlossen, allein zu sein. Selbst in den entlegensten Winkeln in der Natur hört man permanent den Flugverkehr.Es will auch kaum noch jemand allein sein:Man greift selbst auf der Parkbank zum Handy!
Die Folge dessen, dass die Menschen nicht mehr zu sich kommen können und wollen, sind verheerender als die Klimakatastrophe: totale Vermassung der Gesellschaft, rapider Intelligenzverlust einschließlich totaler Kritiklosigkeit (Erlanger Studie). Man schaue in die Zeitung: Abgesehen von der katastrophalen Orthographie ist die Fähigkeit verloren gegangen, grammatikalisch und damit logisch einen Satzaufbau durchzuhalten, ja sogar Satzteile zu strukturieren(" entsprechend des Planes"; entspricht es des Planes?). Bush hatte im Jahre 2006 einräumen müssen(was zuvor seine Außenministerin bestritten-und damit gelogen- hatte), dass der CIA weltweit geheime Gefangenenlager unterhält.Die Gefangenen gelten nach elementaren rechtsstaatlichen Grundsätzen als unschuldig,ja unverdächtig,da kein unabhängiges Gericht den Tatverdacht oder gar die Schuld festgestellt hat
Kein Gefangener ist je entlassen worden,damit die Lager geheim bleiben. Die Gefangenen wurden und werden daher zu Tode gefoltert. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Millionen solcher Opfer. Und wo blieb der weltweite Aufschrei?
Das sind nur beliebige Beispiele. Wie abgestumpft die Menschheit bereits ist, kann jeder noch Kritischer im Alltag feststellen: Niemandem fällt auf, dass der Himmel bei entsprechender Luftfeuchtigkeit von einem sapokalyptischen Kondensstreifenmuster überzogen ist , und dass es -zumindest in Europa - kein Fleckchen Erde mehr gibt, wo nicht mindestens einen Bruchteil einer Sekunde kein Flugverkehrslärm zu hören ist. Niemandem fällt auf, dass sich der im Fernsehen dominierende norddeutsche Einheitsdialekt bei der Generation bis zu 30 auch in ganz Süddeutschland verbreitet hat (" Tschüss", "nee","außen vor","hochgehen","ne"Maß Bier u.s.w.). Die Jugend kommt total uninformiert - und als Werbeträger für bestimmte Marken -und mit theatralischem Gehabe(wie in einem Fernsehfilm) daher.
Alles nur kleine, beliebige Beispiele!
Chiara 19.06.2009, 18:37 Uhr
@ Knut Hacker: Die ersten fünf Sätze lesen sich wunderbar und entsprechen ganz meiner Sicht der Dinge. Herrlich! Lieben Dank für Ihre Beiträge. |Ohne Flug- und andere Lärmemissionen und nicht zugepflastert lebt|
Knut Hacker 19.06.2009, 20:53 Uhr
Danke, daß es doch noch IndividualistInnen gibt!
Neumann 26.06.2009, 13:37 Uhr
Hier also mal ein anderer Hacker...ohne Lichtgeschwindigkeitskonstrukte. Allerdings ist das gute, abgeschiedene Denken aller guten Denker und Kunstbeflissenen auf öffentliche Anerkennung angelegt (und setzt sich immer auseinander mit schon Dagewesenem)...damit auch wieder eng gebunden ans gesellschaftliche Treiben. Gebe aber Hacker recht...und das kritiklose Gewurschtel breitet sich auch massiv im Wissenschaftsbetrieb aus, noch genauer: in den Geisteswissenschaften...ein immer mehr auf Sensationen angelegtes Zusammenwurschteln von Konzepten unterschiedlichster Herkunft (sieht ja auch immer innovativ aus, wenn bisher einander fremde Wissenschaftsbereiche plötzlich verknotet werden)...der Preis ist, dass die zusammengewurschtelten Konzepte selbst nicht mehr kritisch hinterfragt werden (sondern einfach übernommen)...Verblödung unter vom System gehetzten Geisteswissenschaftlern setzt ein..., die ihren "Auftrag" aus dem Auge verlieren: dem mechanistischen, auf Erklärung (Ursache, Wirkung etc.) angelegten Denken der Naturwissenschaften etwas entgegenzusetzen, das auch "wahr" ist: "Verstehen" (d.h. in welchen unbewussten Verweisungszusammenhängen wir uns im Leben orientieren) statt "Erklären" nannte das Dilthey mal...
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