Schlagworte: Deutschland, Deutsch
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“
Heinrich Heine (Werk: Nachtgedanken)
96 Stimmen: ![]()
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Günther Melzer 19.05.2007, 11:07 Uhr
Nachfolgend das vollständige Gedicht Heinrich Heines:
Nachtgedanken
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land,
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd' ich es immer wiederfinden.
Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.
Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt -- wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Und zählen muß ich -- Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual;
Mir ist, als wälzten sich die Leichen,
Auf meine Brust -- Gottlob! Sie weichen!
Gottlob! Durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen
Und lächelt für die deutschen Sorgen.
Bernard Bonvivant 09.11.2008, 09:38 Uhr
Das schöne an diesem Zitat ist seine zeitlose Aktualität. © Bernard Bonvivant, Schriftsteller
Ich, normal besorgter 29.05.2009, 20:06 Uhr
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13829
leider leider
Neumann 29.05.2009, 22:28 Uhr
Und ein heiteres Montmartre-Licht,
Scheint noch immer über Heinrichs (gut vergrabenes) Gesicht.
Vielleicht denkt er dort noch immer an das Deutsche Land,
Das voller alter Mütter sein soll, die jungen Weiber aber im Franzosenland.
Manfred 29.05.2009, 23:23 Uhr
Neumann: Ojje, bringst meine mögliche französische Liebe um. Ich liebte die französische Sprache noch in meinem ex-Heimatland. Der Metzger erwähnte mir was Wichtiges über mein persönliches Anliegen, was mir unendlich bedeutet.
Oft dachte in der Nacht an D., was mir etliche Nächte raubte mit ihren hiesigen eigenartigen Denkbewegungen. Fast niemand beachtete mich, so dass es für mich unbemerkt vieles im Alltag tat und ich konnte mich nicht direkt bedanken. Obwohl unser Vaterland uns fürs unser Überleben alles ermöglicht.
So und so, danke für das Zitat...
robert 25.10.2009, 21:08 Uhr
Mir gehts genau so: Denk ich an das schöne Deutschland bei Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht :)
pam 08.12.2009, 13:11 Uhr
Wenn schon, dann richtig. Letzte Zeile: Und lächelt fort (nicht für) die deutschen Sorgen.
H. Smidt 08.12.2009, 13:16 Uhr
Nachts denke ich nie an Deutschland.
manne 17.04.2010, 17:12 Uhr
Ich denke oft an Deutschland in der Nacht.Dann bin ich um den Schlaf gebracht, weil in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg wieder eine Mutter Ihren
Sohn beweint.
eckhard 07.08.2011, 10:02 Uhr
Lieber Bernhard, Manfred, Neumann! Und warum suchte nun gerade ich diese Heine Strophen auf? Wegen der verschreckten Maulwürfe, die jemand im dradio im July unter dem Motto des 1 Verses des Heinegedichtes brachte. Jemand: für die Recherche reicht nicht meine Geduld.
Aber die verschreckten Maulwürfe haben mich nachhaltig beeindruckt.Das sind wir Deutsche auf den neuen biometrischen Passfotos. Ich sah mein eigenes gerade auf dem Nachttisch liegen. Deshalb die Frage an die Teilnehmer: sehen Sie sich a) im wörtlichen b) im übertragenen Sinne als verschreckte Maulwürfe? Allerdings sind Maulwürfe blind und alle Vergleiche haben Grenzen. Ich meine aber: ist der Deutsche - hey, gibts den? - eigentlich sowas wie ein verschreckter Maulwurf? Sind wir das?
wilfried bensiek 30.11.2011, 12:18 Uhr
aktuell wie schon so oft
Tino 11.01.2012, 21:35 Uhr
Ja, wie gut ich Heine verstehen kann....! In seiner Zeit aber ebenso wie heute und jetzt.
Wer die deutsche Seele kennt versteht, welch kreative und ebenso zerstörerische Energie in ihr wohnt. Das ewig Zwanghafte, das Drängelige, das Weltverbessernde, das Ewig-etwas-Sinnvolles-Machen-Müssende aber andererseits auch Selbst-Verachtende.... wir werden es nicht los. Warum reisen unsere Landsleute so gerne ins Ausland? Vielleicht, um zu spüren, dass man auch mit weniger Zwängen leben kann, das man plaudern und Kinder herzen kann. Wir brauchen mehr Sommermärchen, wir brauchen mehr Liebe, auch Eigenliebe, weniger Zwang, mehr Zeit für uns und für einen netten Plausch. Was mir Angst macht, ist die zunehmende Verarmung und das bei florierender Wirtschaft! Wehe, wenn der Koloss wieder aufsteht und feststellt, dass der Magen knurrt....Gut, dass ich über die Berge bin!
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