Schlagworte: Ethik
„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“
Bertolt Brecht (Werk: Dreigroschenoper)
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Reinhard Knoppka 21.10.2009, 09:41 Uhr
Eines der schlagkräftigsten, wirkungsvollsten, schon als Sprichwort eingegangenen Zitate, geäußert in höchst aktueller Zeit, als sich die Arbeiterschaft aus der Bevormundung von Kirche und Besitzer, die die Moral vorgaben, zu befreien begann: es verliert niemals an Bedeutung und Aktualität!
renette 21.10.2009, 12:06 Uhr
stimme dir zu, reinhard!
kurios für mich, daß ich dies zitat gerade gestern abend genutzt habe in einem text, als höchst komprimierte zusammenfasung der maslowschen bedürfnispyramide. ja, die auch heute wieder aktueller denn je ist, wenn auch (noch) nicht in dem dramatischen ausmaß wie zu jener zeit, als die dreigroschenoper geschrieben wurde, bzw. in der sie spielt. nun denn, aber die tendenz die sieht man wohl.
nehme die auswahl des zitates als zustimmung des schicksals, es genutzt zu haben (obwohl brecht ja in sozialtheoretischen textes manchen übel aufstoßen wird)
meaculpa 24.05.2010, 20:41 Uhr
der Brechtsatz ist toll, aber heute sieht die Wirklichkeit ganz anders aus:
Erst kam das Fressen, danach kam die Moral abhanden.
Der wahre Wolfgang 24.05.2010, 22:14 Uhr
Ein Sechstel der Weltbevölkeung schiebt Kohldampf.Tendenz steigend. Der wohlsituierte , materiell Abgesicherte will den niederen Schichten Moral predigen. Westerwelle schafft sogar den Spagat zwischen Hartz IV- Empfänger und der Römischen Dekadenz. Das "Fressen" als elementarer Trieb bedeutet nacktes Überleben in seiner rauhesten Form. Auf ethische Werte kann da keine Rücksicht mehr genommen werden.Der Kölner Kardinal Frings billigte -mal ganz amoralisch- in der Nachkriegszeit sogar das Stehlen von Kohle. Wer sich das Nötigste auf diese Weise beschaffte, der -so das geflügelte Wort damals- "fringste" es. Brecht`s Satz ist aktueller denn je.
D.w.W. 24.05.2010, 22:38 Uhr
Hartz IV- Empfängern...
Vor dem Hintergrund extremer sozialer Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten erlaubt sich der Bankchef Ackermann (Jahreseinkommen in schlechteren Zeiten kaum unter 10 Millionen € ) den Satz: "Wir sitzen alle in einem Boot." Wenn er mit dieser Einsicht im Rücken an die Moral der Subalternen appelliert, Mitverantwortung fordert und für Lohnverzicht und Arbeitsplatzabbau plädiert, dann wohl auch deshalb, weil sein Boot wohl doch nicht die alttestamentliche Arche Noah ist.
FLorian 03.04.2011, 22:21 Uhr
ja, eines der kräftigsten zitate überhaupt. und eines der verwunderlichsten: die aussage überzeugt jeden sofort. jedoch: ein kurzes nachprüfen zeigt jedem, dass sie in wahrheit grottenfalsch ist. denn eine moral, die von materieller sicherheit abhinge, wäre keine moral. es könnte danach moral nicht existent sein. weder für arm noch für reich.
Anarchisterix 03.04.2011, 23:04 Uhr
"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!" hat Bertold Brecht mit Nachdruck einer Bourgeoisie entgegengeschleudert, die vom hohen Ross materieller Wohlsituiertheit den niederen Schichten Moral predigen wollte. Die Moral steht hier in einem sozialkritischen Kontext.
@Florian: An welchen moralische Kategorien sollte sich der Verhungernde unbedingt orientieren? Sollte er bedingungslos z.B. bestehende Besitzverhältnisse auch um den Preis des eigenen Verreckens und ganz im Einklang mit alttestamenlichen Geboten (Du sollst nicht stehlen oder begehren deines Nächsten Hab und Gut) anerkennen?
So hätte es z.B. der tunesische Diktator Ben Ali gern gehabt.Die Ackermänner und Zumwinkels dieser Welt hätten wohl auch nichts dagegen.
Anarchisterix 03.04.2011, 23:05 Uhr
moralischen
gina 08.01.2012, 18:29 Uhr
Anarchisterix, warum schreibst Du B. B. falsch? Steht doch schön beim Zitat.
Der wahre Wolfgang 08.01.2012, 20:43 Uhr
@gina, bin zwar nicht angesprochen aber erlaube mir folgernde Erklärung:
Eigentlich hieß er Eugen Berthold Friedrich Brecht und wurde in jungen Jahren auch ausschließlich "Eugen" genannt.
Als 16 -jähriger Schüler soll er seine Texte erstmals mit Bert Brecht unterzeichnet haben. Zu lesen ist aber auch, dass er sich erst in den 20er Jahren nach der Bekanntschaft mit dem Dichter Arnolt Bronnen in Bertolt umbenennt. Da er den Freund sehr schätzte, soll er "Berthold" in "Bertolt" - angelehnt an den Vornamen des Freundes - geändert haben.
Vielleicht hat Anarchisterix diese Korrektur nicht mitbekommen...??
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