„Wer einen Beruf ergreift, ist verloren.“
Henry David Thoreau (Werk: Walden)
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Raphael 05.05.2009, 06:01 Uhr
hm...dieser Zitat will mir nicht so richtig gefallen. Ich verstehe es nicht...ich dachte einen Beruf zu ergreifen sichert unsere Zukunft.?
Clemens 05.05.2009, 06:37 Uhr
ebenfalls hm ... um es zu verstehen muss man eigentlich Thoreau kennen, der Anarchist war und mit "Walden" ein eigenlich epochales Werk schrieb. Er meinte wohl die Spezialisierung auf einen einzigen Beruf mache uns abhaegig und ermoegliche erst die Ausbeutung. In seiner Idealwelt ist der Mesch Selbstversorger und muss demnach alles koennen ...
fredy 05.05.2009, 19:01 Uhr
danke, für die erklärung, ich hatte es auch nicht verstanden.
gruß fredy
renette 05.05.2009, 19:08 Uhr
irgendwie hat er ja auch recht, der gute. wenn ich die erklärung von clemens so nehme und das zitat so auslege wie er. oder hat jemand etwa noch nie das gefühl gehabt, daß er mal was anderes machen möchte als immer nur dieselbe spezialtätigkeit, auf die er ausgebildet worden ist? das passiert auch mir, obwohl meine ausbildung mir eine breite palette von zu erledigendem zu tun gibt. aber es geht eben doch immer in die gleiche richtung. und um etwas anderes tun zu können, fehlt mir die zeit. denn die brauche ich ja, um mit meiner tätigkeit geld verdienen zu können. oder eben wieder neue tätigkeiten zu suchen, die mir das tägliche überleben sichern, heutzutage wo man dessen nicht mehr sicher sein kann. also mitunter habe ich auch meinen beruf satt, obwohl es der für mich bestgeeignete ist. ich habe ihn mir früh ausgesucht, zielstrebig darauf hin gearbeitet. und ich kann mir keinen anderen vorstellen. trotzdem hätte ich gerne hin und wieder etwas abwechslung. oder?
Monika D. 05.05.2009, 19:38 Uhr
Dieser Thoreau erinnert mich sehr an meinen großen Bruder: absolut richtig und relativ naiv und muß ich mich jetzt eigentlich wundern , dass ich deprimiert bin. DAnke Bruder Henry !!!!
Walter 05.05.2009, 22:52 Uhr
Eine Berufswahl zu treffen ist eine Entscheidung die man oft fürs ganze Leben trifft. Das war wahrscheinlich nie anders. Der Beruf definiert den Menschen, er verlangt im Normalfall 8 std. unserer Zeit täglich (ich bin realistisch genug um zu wissen, das es oft mehr sind). Je nachdem wie sehr man sich in seinem Beruf wiederfindet, kann man das als Freiheitsberaubung sehen oder eben auch nicht. Natürlich gibt es auch Jene die behaupten, dass man einen Beruf ausüben muss, um seinen Mitmenschen gerecht zu werden (im Sinne von Steuern zahlen etc. oft hört man dies auch im Zusammenhang mit Propagandawörtern wie "Schmarotzer" und "Nutznießer"). Wer aber das Allgemeinwohl über sein eigenes stellt gibt sich selber auf.
Manfred 06.05.2009, 11:53 Uhr
Auch bekannt ist es, der berufliche Spasspegel einigermassen gesunken ist, weil zuviele tätig sind, die als kleine "Jakob Meister" profilieren wollen. Sie bringen uns viele "Rosinen" mit. Die überschüssigen möchte man nicht verzehren. Unser geliebtes Land wandelt sich in eine "Weimarer Republik" mit ihren allzuvielen Geistesgrössen. Es wirkt sich wohl auf unser allgemeines Befinden...
Karl 02.12.2009, 00:10 Uhr
...der gute alte Henty! »Wer einen Beruf ergreift, ist verloren!«
Jeder, der irgend etwas ergreift, ist verloren...könnte man meinen!? Wie definiert sich der Mensch unserer Gesellschaft...sind Beruf, Arbeit und Verdienst die einzigen Möglichkeiten?
Beruf ist hier eine Einschränkung auf den Erwerb des Lebensunterhalts. Einen Beruf zu ergreifen bedeutet, das ich mich einschränke. Bei der heutigen Arbeitsteilung und bei den gesell. Verhältnissen eine einfache, wenn auch praktische Lösung. Damit beginne ich das zu tun, was die Gesellschaft von mir erwartet. Der Grundstein für eine Abhängigkeit ist gelegt. Für die erfüllten Erwartungen werde ich von der Gesellschaft belohnt. Dieser passable Kompromiss treibt mich vor sich her, macht mich scheinglücklich...die wahre Sichtweise des Glücks muß mir zwangsweise verborgen bleiben.
Das wahre Glück ist so simpel und einfach, das wir es deshalb nicht finden,
weil es so einfach und simpel ist!!!!
Der liebe Henry hat weiter gedacht als wir nur ahnen....!?
Karl
Neumann 20.12.2009, 22:31 Uhr
...und unverwechselbar autonom auch die Kommentare unseres altbekannten @Manfreds...Thoreau`sche Verweigerung modern als Woody Allensche Neurose. Thoreaus "Walden" war übrigens ein Kultbuch unter deutschen Expressionisten. Der Autor und Verleger des "Sturms" Herwarth Walden nannte sich gleich selbst nach dem Buch.
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